Hugo Boss im Ziel

Unterwegs in der Altstadt von Barcelona bekomme ich einen Anruf der BWR Organisatoren. Ich beeile mich, hole Ölzeug und setz mich ins Taxi zum Hafen. Wir beobachten im Raceoffice gemeinsam die AIS Positionen der Schiffe zwischen den Balearen und Barcelona. Plötzlich entdecken wir Hugo Boss. Es ist Mitternacht, stockfinster draußen und es bläst mit 20 Knoten. Tagsüber hatte es richtig stark aus Süden gestürmt und ich hatte eine Weile staunend den Wellenreitern zugeschaut – ein seltenes Spektakel an der lieblichen Mittelmeerküste. Renndirektor Denis Horeau, Mitglieder der Rennleitung und des Hugo Boss Teams ziehen sich dickes Ölzeug über. Wir schlüpfen in unsere Seestiefel und tapern die 4 Stockwerke durch hinab zum Hafen – raus geht es in die völlige Finsternis. Hinter der Hafenmole erwartet uns enormer Schwell.

In etwa zwei Meilen Entfernung können wir die rote Positionslaterne von Hugo Boss sehen. In unserem Rücken leuchtet die glitzernde Stadt, auf See sehen wir nur Schwarz und das winzige Positionslicht. Das typische UKW-Geplänkel, einige Anrufe vom Rib zum Raceoffice und Zielschiff, alles verläuft ruhig und routiniert, der Urzeit und des Wetters wegen ohne weitere Zuschauer- oder Mediaboote. Ich hab natürlich meine Kamera dabei, die gleichzeitig filmt und fotografiert.

Ich stecke wieder voll drin im Rennen, in meinem muffigen Ölzeug, Gischt im Gesicht auf diesem tanzenden Schlauchboot in dunkler, windiger Nacht. Mit ziemlich kleinen Segeln kommt die Hugo Boss über die Linie und wendet dann vorsichtig, fällt ab und segelt raumschots zum Hafen. Wouter und Walter haben ihre Stirnlampen auf, kletter über Deck, machen an Fallen und anderen Tauen rum. Schaut mal mein Video:

http://www.facebook.com/video/video.php?v=1905871602428

Da tanzt sie vor uns in der Kabbelsee, diese größte, aller Open60 Yachten, mit ihrem enormen Mast. Wie viele Wellen bei Nacht, wie viel unterschiedliches Wasser hat sie auf ihrem Weg gesehen? Später stehe ich auf dem Steg: wieder diese Faszination, Erinnerung an die eigene Ankunft, Freude. Zwei Kollegen haben das lange Rennen sicher beendet, nach 111 Tagen auf dem 7ten Platz. Eins wird mir klar. In diesem Moment zählt nicht die Zeit, nicht der Platz, nicht die Medien, man hat nach drei Monaten wieder Land unter den Füßen; es ist, ein bisschen, wie aus dem Weltall wieder auf die Erde zu kommen.

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