“Der Äquator war eine Quälzone”

Die ITC (Innertropische Konvergenzzone) ist geschafft. Es wird kühler. Das Gehirn wird langsam wieder funktionsfähig, die totale Ermattung konnten wir überwinden. Die Innertropische Konvergenzzone im Bereich des Äquators war diesmal eine Quälzone.

Nordost- und Südostpassat „konvergieren“, vermengen sich. Sie verwirbeln, bilden eine Front – eine riesige, extrem heiße Zone unsteter Winde, in der die Luftmassen vor allem vertikal aufsteigen. Riesige Wolkenungetüme quellen aus dem sonst knallblauen Himmel empor und stellen sich einem in den Weg. Plötzlich weht es nicht mehr aus Süden, sondern aus Norden; nicht mehr aus Westen, sondern aus Osten. Das kann eine Stunde dauern – oder eine Minute. Ist es nur Regen oder hefiger Wind?

Nicht einfach durch so eine solche Zone hindurch zu kommen, erst recht nicht mit einem angeschlagenen Open60. Bei jeder Windänderung rutsche ich auf Knien über unserem Kiel herum und muss vier Ventile öffnen, dann die Kielstellung verändern und vier Ventiele wieder mit einem Schraubenschlüssel schließen. Dabei muss ich mich von einer Seite auf die andere durch eine Enge zwängen, um die Ventile auf jeder Seite zu erreichen. Mit nackten Knien ist das recht unangenehm.

Nun ist es an dem “Girls-Team”, sich durch die ITC zu schlagen, dann an “Hugo Boss”. Ich möchte gar nicht daran zurückdenken. Es war bisher immer einfacher, als beim letzten Mal. Sicher spielt die kumulierte Erschöpfung dabei eine Rolle.

Doch wir wollen ja hier nicht als Memmen das Rennen beenden. Wir können die in der ITC verlorenen Tage nicht aufholen, wir müssen unser Essen rationieren und uns etwas einfallen lassen:

Maßnahme 1: Alle an Deck landenden, fliegenden Fische werden getötet, filetiert und in Zitronensaft eingelegt.

Maßnahme 2: Sorgsam wird unsere Angelschnur am Heck überwacht und regelmäßig von Algen befreit. Bisher ohne Erfolg.

Maßnahme 3: An Deck angespülte Algen werden im Cockpit zum Trocknen aufgehängt: Wer weiß, wofür das noch gut sein wird.

Maßnahme 4: In einem Plastikbecher züchten wir aus mitgebrachten Samenkörnern Sprossen, wie man sie sonst im Salat isst. Eine willkommene, frische Ergänzung.

Maßnahme 5: Ich habe immer ein Kaugummi im Mund, um nicht ans Essen zu denken und wir trinken permanent Isostar (-Pulver), um das Hungergefühl zu vertreiben.

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Eine Antwort auf “Der Äquator war eine Quälzone”

  1. Julius Weirauch sagt:

    Nur Mut – Ihr macht das klasse !!!
    die deutschen Segler segeln in Gedanken mit ( ich denke die ameriktigen richanischen auch )

    Allerbeste Grüsse & den richtigen Wind !

    Julius