Auf dem Weg nach Barcelona

Ende des Monats steht die Generalprobe für das Barcelona World Race auf dem Programm: Ein Trainingsrennen von Barcelona zu den Kanaren und zurück nach Portimao. Wir nutzen die Überführung nach Barcelona als Zweihandtraining und deshalb sind wir heute hier: hoch am Wind nahe Kap Finisterre.

Sieben Tage haben wir für die 1600 Seemeilen von Concarneau nach Barcelona eingeplant. Bisher liegen wir gut in der Zeit. In den ersten 24 Stunden haben wir die berühmt- gefürchtete Biskaya bezwungen ;-) Halbwinds unter einem klaren Sternenhimmel mit zwei Reffs und Solent konnten wir durch die warme Nacht rauschen. Die See beruhigt sich hier jetzt nahe der spanischen Küste, der Wind nimmt etwas ab und dreht uns entgegen. Wir erwarten eine größere Flautenzone und wollen daher in Landnähe aufkreuzen, um uns tagsüber, sollte es tatsächlich so eintreten, in Thermikwind weiterhangeln zu können.

Open60-Segeln ist ein permanentes Testprojekt. Wir zeichnen die Leistungen unserer neusten Errungenschaften gewissenhaft auf: Neue Autopilotensoftware und eine neue Energiequelle gibt es für diese Fahrt erstmalig an Bord. Energieprobleme scheinen ab jetzt ein Gedanke einer fernen Vergangenheit zu sein. Eine Apparatur, die aussieht, wie ein Miniaturelektoaußenborder mit drei esslöffelgroßen Paddeln am Heck montiert versorgt uns mit Strom. Der Bremseffekt liegt laut Erfahrung mehrerer Open60 Teams unterhalb des Messbaren. Die cleveren Ingenieure haben mit etwas Regelungstechnik ein System gebastelt, das die Neigung der Esslöffelchen je nach Geschwindigkeit anpasst, so dass sich der Generator in einer idealen Geschwindigkeit dreht und regelmäßig um die 400 Watt abgibt, genug um das Boot zu versorgen.

Die andere Neuerung die ich heute morgen schon zweimal getestet habe ist eine Miniaturespressomaschine, die  mit 16 Bar Druck arbeitet und richtigen Espresso zaubert, dabei aber nicht mehr wiegt, als eine mittlere Fahrradpumpe, der sie nachempfunden ist. Jean Le Cam, bretonische Open60 Legende und baldiger Konkurrent von uns, hat mir die Maschine zum Test mitgegeben, nachdem wir im Restaurant seiner Frau zuletzt essen waren. Mittlerweile sind die hohen Berge aus dem Dunst aufgetaucht, die See hat sich noch weiter beruhigt, Ryan hat seine kurze Schlafwache beendet und bald werden wir anfangen die Segel im Vorschiff umzustauen, den Wasserballast transferieren, die 4 Taschen für Proviant, Kleidung und Ersatzteile und etwas Kleinzeug sowie unsere Rohrkoje durchs Schiff nach backbord schleifen und dann wenden. Die Morgenruhe, während derer ich dies schreiben konnte, etwas Musik mit meinem Ipod hören, meinen Kaffee und den Blick auf die tiefblaue See genießen konnte  ist erstmal vorbei. Es sind besondere Momente, alleine im Cockpit, der andere schläft, Morgenlicht. Es kann so herrlich sein auf See.

Boris

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3 Antworten auf Auf dem Weg nach Barcelona

  1. kai wingenfelder sagt:

    ich hoffe der Espresso schmeckt nicht auch wie ne mittelgroße Fahradpumpe !

  2. Addi sagt:

    Permanentes Testprojekt: sehr interessant.
    Die Espressomaschine interessiert mich
    ebenso wie
    Die neue Energiequelle
    von der du schreibst. Gibt es da ein bisschen mehr Infos?
    Wäre toll

  3. Randolf Klein sagt:

    Ich freue mich schon Dein nächstes Rennen mitzuverfolgen und von der Expressomaschiene auf See zu lesen. Aber auch schon vorher!

    Fair Winds von der San Francisco Bay.