Nahende Tiefdruckgebiete

Ich sitze hier mit superkalten Händen, da ich gerade von draußen reinkomme. Wir haben von der Genua auf den Solent gewechselt. Laufen in grober, kurzer See mit zwischen 22 und 16 Knoten Speed, also sehr unregelmäßig. Es ist böig, 10 Grad schralt der Wind. Fahles Dämmerlicht, den ganzen „Tag“, der aber nie richtig Tag wird. Dazu Nieselregen, Nosediving und Gischfontänen. Es geht mal wieder gut zur Sache, wie ihr seht.
Es ist nur noch ein Katzensprung über den Pazifik – so fühlt es sich zumindest an. Wir kommen gut voran und wenn wir mit diesem Durchschnitt weitermachen, sind wir etwa am 7. März am Kap Hoorn. Auf dem Weg bis dorthin haben wir noch zwei Ice-Gates zu passieren und so wie es aussieht auch zwei Tiefdruckgebiete.

Der grüne Punkt auf der grünen Routing-Linie im Screenshot (durch Anklicken vergrößerbar) zeigt uns mit maximal 38 Knoten Wind aus Südwest am 2. März, nördlich des ersten Tiefs. Danach kommt eine Flautenzone und am 5. März noch mal ein kleines Tief, das Richtung Süden unsere Route vor uns quert und nicht mehr als 35 Knoten bringen sollte. Wir schauen uns das genauer an, wenn wir näher kommen. Aber wenn ich auf dem Grib-File 38 Knoten lese, stelle ich mich lieber auf 45 Knoten ein.
Vielleicht haben wir ja endlich Gelegenheit, unser drittes Reff einzubinden, denn bisher war das noch nicht auf dem Programm. Wir sind schon einige Male in bis zu 38 Knoten Wind mit zweiten Reff und Solent gesegelt. Wäre uns das zu viel geworden, wäre der nächste schritt die Stagfock (auch ORC genannt). Doch selbst dafür hatten wir noch nie genug Wind. Na gut: 38 Knoten mit dem zweiten Reff und Solent ist schon brutales Reachen, da muss man sich wirklich gut festhalten und darf keine empfindlichen Ohren haben.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wir haben hier noch erheblich Spielraum zu reffen – sogar noch eine Sturmfock, die auf dem Schiff in sechs Jahren erst zweimal genutzt wurde. Das Schiff ist halt an sich schon ziemlich steif. Ich freue mich fast auf die Abwechslung und Aufregung, die die beiden Tiefs bringeen werden, auf den letzten Metern Aufstieg zum Gipfel “Kap Hoorn”.

Liebe Grüße,
Boris

Ps die blaue route waere unser weg, wenn es keine eisgates gaebee. Die vielen kleinen boootssumbole sind eisberge. Unsere position ist das orangene kleeien boot gganz links. Renault ist olivgruen, nicht zu sehen in dem zoomzustand quasi unter uns. und mirrabaud blau

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4 Antworten auf Nahende Tiefdruckgebiete

  1. Balticsailor sagt:

    Hallo Boris, Hallo Ryan,
    01.03.2011 18:30 UTC: der Tracker zeigt Euch 20nm hinter Renault und 200nm vor Mirabaud – Ihr seid einsame Spitze!
    Eigentlich dachte ich ja, dass Euch Thomas Coville auf seiner Sodebo im Pazifik einholt. Aber er ist kaum schneller als Ihr – so wird das wohl nix mit dem Rekord.
    Dafür übertrefft Ihr alle Erwartungen – ich drücke Euch alle Daumen, dass Ihr heil und schnell ums Hoorn und über den Atlantic kommt.
    In Kürze kann es hier im Norden auch wieder mit dem Segeln losgehen – ich kann es kaum erwarten.

    Mast- und Schotbruch
    Balticsailor

  2. Henry sagt:

    Moin Boris und Ryan,

    sauberes Rennen, freu mich jeden Tag “virtuell” dabei sein zu können! Enter doch mal den Mast rauf, da vorn der kleine Punkt- das ist die “Renault”! Bleibt dran, bis Cap Hoorn habt Ihr Sie. Weiter so Jungs, ich drück Euch die Daumen.

    Grüße aus Berlin

    Henry

  3. Fabian sagt:

    Guys your really rock this show!
    (I’ll write this in english to make it alittle easier for Ryan)
    Thank you so much for keeping us informed via this awesome block. The tracker is a good thing and I check it at least twice a day to see how the chase on Renault is going – and I see it is going great!!!

    Boris, when I saw a documentation about you and Felix and your race it re-sparked my sailing ambitions. After not having set a food on board of a vessel for almost twenty years I did my SBF See and SKS last summer, sailed two “Törns” and already booked two more for this year. – Thank you for that!

    And thanks to both of you for sharing your impressions and extraordinary experience of this race and making the waiting time until it is sailing time in Germany again appear a little shorter.

    Keep it up an keep rockin’
    Cheers
    Fabian

  4. FarmerKiel sagt:

    Moin Boris!
    Als regelmäßiger Besucher des Forums der “Yacht” stolperte ich mehr oder weniger über Deinen Blog.
    Fast drängte sich dieser Boris Herrmann einem auf. Zumindest wurde für meinen Geschmack recht viel Wind um diese Person gemacht.

    Nun ja, da nimmt halt irgend einer von diesen Schnöseln, an einem dieser “Formel Eins Rennen” um die Welt teil.
    Wo ist denn da die Herausforderung!?

    Ein Budget, welches in keinem Verhältnis steht. Ein Extra für dieses Unternehmen gebautes Boot, dazu ein Team, welches diesen “möchtegern Abenteurern” den AR$%& hinterher trägt. Aber das haben diese Söhne Reicher Eltern ja nie anders kennen gelernt. Für sie ist es einfach selbstverständlich, diese Privilegien zu genießen.
    Das Bild von Dir war also nicht das Beste. Vollkommen Vorverurteilt! Zumal Du auf dem Portrait des Blogs auch recht jung ung Jungenhaft rüber kommst…
    Das entsprich nun mal so garnicht dem meinem Bild von einem Abenteurer. Arved Fuchs oder Messner sehen eben schon nach Abenteuer aus. In Dir sieht man eben nicht auf den ersten Blick den “Freak”.

    Soweit meine völlig unvoreingenommene Meinung.
    Als Segler, der immer mit schmalem Budget und alten Schiffen unterwegs ist, lag mein Augenmerk mehr auf alternativen Weltenbummlern, welche die Herausforderungen auf Ihren Reisen mittels Kreativität und Improvisationsfähigkeit meistern.

    Da sich die Onlinepräsenz der “Yacht” sehr auf Dich konzentrierte, sah ich mir dann doch mal eine Folge “Boris erklärt seinen Open 60″ an.
    Völlig begeistert von Deiner doch sehr lockeren, netten und kompetenten Art, tauchte ich in den Blog ein.

    Zu diesem Zeitpunkt liefertet Ihr Euch dieses zähe Battle mit der Mirabaud…
    Deutschland und die Schweiz am Kräftemessen. Eine Lustige Parallele zu meinem Privatleben, da dieser Zeit einen neunmonatigen Aufenthalt bei den Helvetiern beendete…

    Nach und nach erfuhr ich immer mehr über Dich und die Rahmenbedingungen, unter denen Du diese Regatta segelst. Kein neues Boot, nicht bis zur Halskrause mit Geld gestopft…

    Jedes Video, jede Information über Dich und Ryan, jedes Bild… Alles sog ich in mich auf! Der “Race Tracker” und das Ranking waren vielbesuchte Seiten…

    Deine Schilderungen sowohl schriftlich, wie auch in Videoform haben mich unheimlich begeistert!
    Habe noch keine so emotionale Schilderung gelesen. Nicht irgend ein kurzgefasster, sachlicher Bericht, sondern Einblicke in Deinen Alltag, und vor allem Deine Gefühlswelt.
    Durch Deine Art der Berichterstattung ermöglichst Du es Außenstehenden gedanklich mit an Bord zu kommen und an dieser tollen Unternehmung teilzuhaben!

    Man spürt regelrecht die Stimmung, dieErschöpfung, die Hoffnung…
    Ihr zwei seid richtige “Fighter”! Man fiebert mit Euch! Ihr habt eine unglaubliche Performance hingelegt, alles aus dem Boot geholt, der Konkurrenz gezeigt, wie man Meilen machen kann!

    So kann an sich täuschen… Asche auf mein Haupt!
    Bin mittlerweile ein richtiger Fan geworden, der mehrmals täglich die Entwicklungen und Geschehnisse verfolgt!
    Als ich feststellte, dass Du ebenfalls Kieler bist, noch dazu in meiner Altergruppe, musste ich schon eine gewisse Bewunderung/Ehrfurcht eingestehen…

    Genug gelabert!

    Ich wünsche Euch Bedingungen, welche den Kiel nicht zu sehr belasten, den richtigen Riecher für taktische Entscheidungen und in ein paar Tagen angenehme Eimerduschen.

    Ich drücke Euch die Daumen, wünsche Euch viel mentale Kraft und Denke an Euch.

    Ein mittlerweile großer Fan…