Vorbei am Kap in den Indischen Ozean

Vergangene Nacht haben wir den 20. Längengrad überquert, der auch durch das Kap
Agulhas verläuft, dem südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents, einige Kilometer östlich des Kaps der guten Hoffnung. Mit 20 Grad Ost haben wir den Indischen Ozean erreicht. Als ich nach einem kurzen Schlaf an Deck komme, begrüßt er uns mit einem sonnigen Morgen und leichter Brise. Während des Wachwechsels stirbt der Wind komplett und wir sind hilflos einer konfusen Dünung überlassen, rollen vorsichtshalber den Code-Zero ein, um ihn nicht durch das Hin-und-herreißen des torkelnden Bootes zu beschädigen. Was für ein Rennen, was für ein Flautendebakel – wo ist der Southern Ocean nun schon wieder hin? Ich bin völlig entspannt und ausgeglichen. Ryan nicht
ganz so.

Ich genieße die Wärme der Sonne heute in der Windstille nach einigen wirklich extrem nassen und kalten Tagen. Laut Wettermodellen sollten wir gerade südlich so einer Kante sein, um genug Wind zu haben, genau wie “Mirabaud” – aber so ist das mit den Modellen. Im Kleinräumigen und in Bereichen so geringer Druckunterschiede hapert es manchmal. Wir können nichts machen, nur warten.

Unterdessen schmunzele ich über einen Kommentar von Loïck Peyron gestern. Er schrieb eine Meldung an die Rennleitung: “Der letzte Croissantmond begrüßt die Aurora über dem Indischen Ozean. Jean Pierre schnarcht, ich döse und unser Boot schlägt Schaum, während die See einfach weitermacht.”

Das warme Klima hat zu verstärktem Abbruch von Eis in der Antarktis geführt. Es treibt weit nach Norden bis 41 Nord (HIER klicken für Eiskarte). Daher wurden unsere Ice-Gates verlegt und wir sind gezwungen deutlich nördlicher zu segeln, als bei normalen Weltumseglungen. (Ein Zeichen der Klimaerwärmung?). Unsere Route wird extrem viel länger, weil wir so mehr Flauten und Gegenwinde haben werden. Kein einfacher Start in den Southern Ocean. Jede Stunde hier zählt jetzt, denn es kommt ein riesiges Hoch, dass alles blockieren wird für die Boote nach uns. Normalerweise sollten wir bis zur Crozet Inselgruppe gut durchkommen, gerade noch unserem Paket hinterher hecheln. Daumendrücken, dasswir hier schnell wieder in Gang kommen!

Danke an die Besucher auf der boot 2011 in Düsseldorf! Schreibt schön viele Kommentare. Ich freu mich immer darüber.

Mast und Schotbruch
Boris

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10 Antworten auf Vorbei am Kap in den Indischen Ozean

  1. Dirk sagt:

    Lieber Boris, dear Ryan,

    good to know that Boris isn’t bothered too much by another slack period and Ryan, don’t panic: it’s not worth your dental enamel! There is still a long way to go and I am sure, there is justice in the skies for you and thus the capitalists who are becoming even richer now will have to pay they their tax in future!

    All the best for you!

    D

  2. Jürgen sagt:

    Hi Boris and Ryan,
    hopefully the winds will pick up soon for you. Stay relaxed, it will change sooner or later….
    Best wishes,
    Jürgen

  3. Patrick sagt:

    Hallo Boris

    Musste doch gleich mal nachschlagen wo der Atlantik aufhört und der indische Ozean beginnt, da doch einige eurer Konkurrenten doch tatsächlich schon beim Wechsel in die östliche Hemisphäre davon sprachen den Atlantik verlassen zu haben, deine Version ist jedenfalls die richtige, zumindest wenn man Wikipedia glauben kann.

    Interessant ist dort auch der Hinweis dass der southern ocean nach Definition wohl erst südlich des 60. Breitengrades beginnt, d.h. ihr werdet es wohl kaum oder nur knapp dorthin schaffen, vielleicht auch besser bei den vielen Eisbergen, evtl. unter
    Australien kurz ‘anknabbern’, aber da werden nach dem letzten Vendee Globe wohl
    auch Gates weiter nördlich gesetzt sein.

    Danke für die spannenden Berichte. Ich wünsche euch weiterhin eine schnelle Aufholjagd auf Vibrac, ich drücke meinem Landsmann Dominique auf Mirabaud aber auch die Daumen :)

    Patrick

  4. Ian sagt:

    Hallo Boris & Ryan,

    gestern (Sonnntag) segelte ich in Gedanken mit Euch durch die Chaotische See während Phoenix die Sendung “Hochsee-Helden” zeigte. Heute lief im WDR das Doku “Gegenwind — Gorch Fock in schwerer See” während ich Euch Vorbei am Kap in den Indischen Ozean begleitete. Bin mal gespannt, von was ich heute Nacht auf meinem Wasserbett träume…

    ein alter Seebär.

    ((-:

  5. Pingback: Boris Herrmann ärgert sich über das "Flautendebakel" | SegelReporter

  6. Dein Blog lese ich immer mal wieder gerne, aber dieser Artikel hat es mir angetan. Viel Erfolg bei deinen weiteren Reisen!

  7. Andreas Lindlahr sagt:

    Hallo Boris, hey Brian! I can see 15,2 kn on my sreen again!
    Very cool!

  8. rene sagt:

    Hey Falks, wish you fair winds!
    Good luck
    Rene

  9. Servus Boris und Brian,
    die haben das Eistor wohl ganz nach Norden verlegt. Habe mich vor Blitzeis ins Büro gerettet und beobachte von meinem Fenster aus, wie die Fußgänger und Autos bei mir den Berg runter rutschen. Gerade hat sich der Briefträger fluchend abgelegt. Klimawandel?
    Viel Glück und Wind zum Aufholen wünscht Euch
    Johannes P.K. aus D-Neunkirchen / Saar

  10. Markus sagt:

    Spannend! Ihr knabbert immer ein paar Meilen von Mirabaud ab, und ich denke die südlichere Position ist euer Vorteil zum Crozet Gate. Ihr habt die Möglichkeit das Gate ganz am Anfang zu erwischen, so dass der Süden gleich wieder zur Option wird. Ich vermute kurz nach dem Gate seit ihr vorn und Renault wird das nächste Ziel!

    Markus