Route du Rhum Teil 1

Sonntag startet die Route du Rhum, das prestigeträchtigste Transatlantikrennen überhaupt, das drittgrößte Sportereignis in Frankreich nach der Fußball WM und den olympischen Spielen und neben dem harten Vendee Globe das Wimbleton des Einhandseglens – Einhand von Saint Malo nach Gouadloupe.

Ich bin seit gestern Abend vor Ort und berichte euch „en direct“ in mehreren Episoden über die nächsten Tage von diesem Ereignis. Also neben der Meisterschaft der Meister und Messe klickt euch in meinen Blog und lest und lest weiter auf der Seite der Veranstalter und den Seiten der Teams!

In Deutschland richtet die Szene ihre Blicke auf Hamburg: ein kleines Branchentreffen, die um Besucher kämpfende Messe, die neidisch wäre auf die Zahlen hier. Leute, holt einmal tief Luft und stellt euch vor, die Alster würde bis zum Horizont reichen, das Business in unserem Sport Bürgermeister und Parteien in Wallungen bringen, der Andrang zum Treffen der Giganten die Straßen um die Alster verstopfen. Giganten, Legenden, Stars, Helden: Wolfgang Hunger 15 Minuten live im Interview direkt vor der Tagesschau?

Hier und heute ist genau das Realität. Gestern stehe ich drei Stunden im Stau auf dem Weg nach Saint Malo, im Stau des Besucherandrangs. Ein Stau auf der Autobahn… und höre auf France Inter über 40 Minuten lang, Stimmen, die mir so vertraut sind, wie die von Hunger: Michel Desjoyeaux, Roland Jourdain, Franck Cammas, Thomas Coville. Journalisten im Interview als Komplizen unseres Sports; mit Elan missionieren sie die Massen: „Was ist das? Dieses Phänomen Route du Rhum? Einhandsegeln? Warum, wie und wieso?

Camas spielt den Star und bedankt sich beim Volk, Coville ist der Gentleman und huldigt seinen Konkurrenten, Jourdain wirkt leicht, flüssig, natürlich und überzeugend. Er ist ein genialer Redner. Desjoyeaux ringt sich etwas mehr, etwas ab, was nicht schlecht ist: „Unser Sport ist zu einem Beruf geworden, die Passion ist geblieben. Wir ernähren mit Jedem Projekt bis zu 50 Familien direkt und weiß Gott wie viele indirekt. Ich sehe das Funkeln in den Schulkindern, die heute bei mir an Bord waren, wir regen die  Leute zum Träumen an, fördert die Region und schafft ein Ereignis, ein Ereignis, dass die Fantasie beflügelt, der maritimen Geschichte St Malos und Frnkreichs und Europas huldigt…“

Was ich hier entdecke: Einen Ausdruck, eine Manifestation von Ambition und Talent, Ehrgeiz, Mut und Energie. Ihr seht die Passion durch meine Zeilen strahlen. Ich hätte gestern noch nicht gewusst, wie mich emotional zur Route du Rhum zu äußern angebracht wäre aber diese paar Stunden eintauchen zwischen die Menschen, die hinter diesen Projekten stehen, hat mich bereits gepackt, die Stimmung scheint hier allgemein um sich zu greifen, die Autos rollen langsam in Kolonnen in die Stadt, die Menschen scheinen von einer feierlichen Erwartung vor der Sonntagsmesse erfasst zu sein. St Malo strahlt.

Was ist St Malo? Eine Stadt natürlich. Heute Morgen ist es für mich eine frische Entdeckung und sofort ein Mythos. Etwa ein magischer Ort?*

Fakten: Seit 32 Jahren, ältestes franz Transat, das prestigeträchtigste. Das größte: 45 Class40s. Mega Multihulls, Multi50s, IMOCA Open60s, und eine sagen wir mal „Sammelklasse“ für alle alten und nicht passenden Boote, die Lumpensammler. 2006 haben die eifrigen Damen der Organisation „Pen Duick“ 1,5 Mio Besucher in 10 Tagen auf den 7000 Quadratmetern Racevillage, 250.000 Zuschauer (Gewerkschafter zucken vor Zorn zusammen, dass dieses Wochenende nur noch 30.000 Leute zu den Demos kommen) am Ufer beim Start gezählt und 1000 akkreditierte Journalisten haben 88 TV Stunden, 5200 Artikel und 60 Radiostunden produziert. Alle großen Kanäle 13 Uhr 02 Minuten 00 Sekunden. Top. Start. Die schönste Teilnehmerin: Eine gewisse Servanne Escoffier

*Manu und ich joggen eine gute Stunde in vollem Tempo um die Altstadt: Blicke von steilen Klippen ins Meer, über windzerzauste Buchten zu anderen Stadtteilen, den Augen schmeicheln bourgeoise Häuser aus mittelalterlichem Granit. Bald oder an anderer Stelle mehr über Saint Malo.

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